Kapitel 4

19. April 2009 at 11:27 (Kapitel 4, Uncategorized)

Gerade noch kam ich vor dem Auto zum Stehen. Mein Fahrrad kippte um und knallte mit dem Vorderrad an das Auto und ich fing mich mit meinem rechten Fuß ab. Ein Schmerz schoss mir in den Knöchel.
„Mist verdammter“! rief ich und blieb erstmal am Boden sitzen. „Ist Ihnen was passiert?“ fragte der aufgebrachte Autofahrer mich als er ausstieg und auf mich zueilte, um mir aufzuhelfen. „Ich hatte doch Vorfahrt mein Lieber!“ warf ich ihm an den Kopf und ich dachte an den Spruch des Kurierfahrers Benno von heute Morgen, ich solle doch besser nicht Fahrrad fahren, wenn ich zu ängstlich bin. Beinahe wäre ich von dem Auto durch die Luft geschleudert worden, wenn ich nicht gerade rechtzeitig gebremst hätte. Ich stützte mich auf seinem Arm ab und versuchte aufzustehen und wieder schoss mir ein Schmerz in den Knöchel. „Autsch!“ rief ich, konnte aber noch einigermaßen auftreten, es war anscheinend zum Glück nichts gebrochen. „Oje, tut es sehr weh? Das tut mir wirklich sehr leid – ich hab sie leider nicht kommen sehen!“ sagte er betroffen und sein Atem ging vor Aufregung ziemlich schnell. Nun sah ich meinen Unfallverursacher erstmal genau ins Gesicht. Er hatte freundliche Züge, dunkle Haare, grüne Augen, etwas rundlich, was aber zu ihm passte und war anscheinend im besten Alter, so um die 40 schätzte ich. Eigentlich sah er ziemlich sympathisch aus. „Ja, ja, sie sind wohl nicht stehengeblieben um zu schauen, ob jemand kommt! Das kenne ich schon. Radlfahrer sind meistens Luft für Euch Autofahrer!“ entgegnete ich eigentlich ziemlich ruhig, rieb mir aber meinen schmerzenden Knöchel. Komisch dachte ich, heute Morgen habe ich mich wegen „Nichts“ total daneben benommen und in so einer Situation, ich hätte eigentlich tot sein können, blieb ich völlig gelassen. Ich legte es so aus, dass Benno wohl total mein Typ war und ich deswegen meine guten Manieren vergessen hatte. So war es meistens, wenn mir jemand gefiel, dachte ich zumindest.
„Ich bringe Sie auf alle Fälle nach Hause! Sie können ja gar nicht mehr auftreten.“ bot er an und blickte traurig in mein Gesicht. „Ist zum Glück nicht mehr passiert!“ beruhigte ich ihn, hob noch meine Tasche auf und ließ mich bereitwillig und humpelnd Richtung Auto führen. Der Knöchel schmerzte schon ziemlich und plötzlich fiel mir wieder meine Verabredung mit Benno ein und ich fluchte innerlich auf. Das wird wohl ein sehr schönes Bild abgeben, wenn ich humpelnd bei meiner nach Monaten wieder ersten Verabredung ankam.
„Halt! Sie müssen bitte noch mein Fahrrad aufheben und am Straßenrand absperren! Ich werde es dann irgendwann mal holen.“ bat ich ihn. Er half mir ins Auto und hob mein Fahrrad auf und sperrte es ab. Das Vorderrad war etwas verbogen. Mit zitternder Stimme fragte er mich: „Wo wohnen Sie denn? Natürlich werde ich das Fahrrad für Sie holen, leider kann ich es in meinem kleinen Kofferraum nicht gleich mitnehmen. Das ganze tut mir wirklich sehr sehr leid, so was ist mir noch nie passiert! Ich werde den Unfall natürlich meiner Versicherung melden, da brauchen sie sich keine Sorgen machen!“ redete er nervös auf mich ein. „Ich mach mir momentan wegen was ganz anderem Sorgen“ murmelte ich leise. „Wie bitte?“ fragte er. „Ach nichts, vergessen sie es!“ erwiderte ich.
Verwirrt blickte er mich an und wieder empfand ich Sympathie für ihn, als er mich so besorgt und lieb anblickte, aber eigentlich nicht mehr. „Vor lauter Aufregung, habe ich mich noch gar nicht vorgestellt: mein Name ist Dimitrios Rouvas.“ stellte er sich vor und schüttelte meine Hand. „Freut mich sehr, wenn wir uns auch nicht zu einem schöneren Anlass kennengelernt haben, mein Name ist Nelly Weber!“ sagte ich freundlich und lächelte ihn versöhnend an. Er musterte mich eindringlich mit seinen grünen Augen und fragte noch mal: „Also wo wohnen Sie denn?“. „Das ist gar nicht schwer zu finden, ich wohne nämlich direkt am Rotkreuzplatz!“ erklärte ich. Er fuhr los und ich merkte, dass seine Hände etwas zitterten. „Dass mir so etwas passiert, ich bin so froh, dass Ihnen nicht mehr zugestoßen ist, das hätte ich mir nie verziehen!“ versuchte er mir klarzumachen.
„Sind Sie eigentlich Grieche?“ lenkte ich ihn ab. „Sie haben doch einen griechischen Namen, wenn ich mich nicht täusche?“ fragte ich ihn. „Ja, ich komme aus Griechenland, wie haben Sie das den erraten?“ erwiderte er überrascht. „Naja, so schwer ist das gar nicht, wenn man schon ein paar mal in Griechenland war!“ entgegnete ich. Er blickte mit noch mehr Interesse zu mir rüber, sagte aber nichts, lächelte nur, weil er sich auf den Verkehr konzentrierte. „Dieses Jahr musste ich leider zu Hause bleiben, das liebe Geld!“ erzählte ich. „Gefällt Ihnen mein Land?“ fragte er mich. „Wo waren Sie denn schon überall?“ fragte er weiter.
„Ich war schon auf einigen Inseln – ist eine schöner als die andere finde ich!“ erzählte ich weiter. Unser Gespräch war aber schon bald zu Ende, da wir am Rotkreuzplatz ankamen. Er fand sogar einen Parkplatz in einer kleinen Seiten-Straße.
„Ich helfe Ihnen noch zu Ihrer Wohnung!“ sagte er und half mir aus dem Auto. Langsam humpelte ich auf seinen Arm gestützt Richtung meines Wohnhauses.
Irgendwie hatte er ein angenehmes Parfum, dachte ich und schnupperte genüsslich. Schade, dass es in seiner Gegenwart nicht funkte. Ich fand ihn eigentlich ganz nett, schlecht aussehen tat er auch nicht, aber irgendwie bekam ich keine Schmetterlinge im Bauch in seiner Gegenwart. Es wäre doch viel einfacher, sich mit so einem Mann zu verabreden, bei dem man nicht so nervös wird. „Musst Du eigentlich in Gegenwart eines Mannes jedes Mal darüber nachdenken, ob er was für Dich wäre?“ ermahnte ich mich still. Vor meinem Wohnhaus angekommen, stoppten wir. „Hier wohne ich!“ sagte ich. „Sie brauchen mir nicht raufhelfen, ich werde mich am Treppengeländer bis zum Aufzug selbst raufhelfen. “ versicherte ich. Immer noch besorgt blickend holte er eine Visitenkarte aus seiner Brieftasche. „Ich gebe ihn mal meine Karte mit meiner Telefonnummer. Rufen Sie mich an, damit wir alles klären können wegen der Versicherung und es wäre ein Trost für mich, zu hören, wie es Ihrem Fuß geht.“ sagte er. „Ist in Ordnung. Ich werde mich bei Ihnen melden.“ versprach ich und sperrte die Haustür auf und winkte ihm noch mal zu. Bedrückt ging er davon Richtung seines Autos.
Ich humpelte zum Aufzug und fuhr zu meiner Wohnung rauf. In der Wohnung angekommen, machte ich mir als erstes einen kalten Umschlag mit Eiswürfeln und lagerte meinen Fuß auf einem Stuhl hoch.
Ich geriet plötzlich innerlich in Panik und dachte an meine Verabredung. Was mache ich nur? Die Humpel-Nelly begibt sich zu einer Verabredung mit einem gutaussehenden Mann, bei dessen Anblick die Ameisen im Körper auf und ab liefen und erhofft sich, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wenn Benno hört, was ihr zugestoßen ist, fühlt er sich sowieso nur bestätigt mit seiner Meinung. Ich sah auf die Uhr. 16.00 Uhr war es. Noch ist es nicht zu spät, dachte ich, vielleicht beruhigt sich der Knöchel ja doch noch ein wenig.
Aufgebracht griff ich zum Telefon um meine Freundin Anna anzurufen, damit sie evtl. früher kommt. Ich brauchte jetzt zumindest eine seelische und moralische Unterstützung.

Fortsetzung folgt……

So ein Pech aber auch. Jetzt hat Nelly nach Monaten endlich wieder eine Verabredung mit einem Mann, der ihr gefiel und dann so etwas. Wird die Schwellung vielleicht doch zurückgehen und wird Nellys Auftritt vor Benno dann doch nicht so übel werden?

All dies erfahren Sie beim nächsten Mal!

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Kapitel 3

9. März 2009 at 19:32 (Kapitel 3)

Grübelnd radelte ich die Nibelungenstraße Richtung Schlosspark entlang. Benno ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren und sich darauf versteifen. Das kann auch ein Reinfall werden und er passt gar nicht zu mir, dachte ich. Ich musste einfach alles auf mich zukommen lassen.
Ich atmete tief durch fing an, einen Lieblingssong nachzupfeifen und genoss den Fahrtwind.
Im Schlosspark angekommen spazierte ich über die Wege zwischen den alten hohen Bäume hindurch, die angenehmen Schatten spendeten. Wenig Menschen waren an diesem Tag unterwegs. Die Ferien waren bereits vorüber. Ich freute mich schon richtig, meinen Lieblingspark in Ruhe genießen zu können. An einem verschwiegenen See im Park räkelte ich mich unter einer Weide auf einer Parkbank und ließ erstmal meine Seele baumeln. Ein paar Wildenten schwammen in meine Richtung und quakten mich vergnügt an. „Na, wollt Ihr was zum Fressen?“. Ich holte ein Stück Brot aus meiner Provianttasche und gab den Enten ein paar Stückchen von dem Brot. Schon kamen auch ein paar Fische angeschwommen um ein paar Krümel abzukriegen. Ein kleines Lüftchen wehte durch die Weide. Es war angenehm warm, nicht mehr so heiß wie vor ein paar Wochen noch. Ich liebte den Herbst. Wenn die Natur zur Ruhe kam. Das Frühjahr mochte ich zwar auch ganz gern, aber der Herbst war mein Lieblingsmonat. Besonders im Schlosspark war diese Idylle zu spüren. Hier atmete die Erde, man spürte das Alter der schönen hohen Bäume und der malerischen Gebäude.
Ich holte mein Buch hervor, das ich zur Zeit las und räkelte mich wieder auf die Parkbank. Meine Gedanken schweiften immer wieder ab und ich sah sein Gesicht vor mir, wie er mich anlächelte. Schließlich hatte ich denselben Absatz meines Buches schon das 5. Mal gelesen, als ich es aufgab. „Jetzt benimm Dich nicht wie ein Teenager“ sagte ich laut zu mir selbst und richtete mich auf. „Quak, quak, quak!“ ein Erpel schwamm aufgeregt einer Entendame hinterher, die vor ihm flüchtete. Nicht mal bei den Tieren ist es einfach mit der Liebe, dachte ich und musste innerlich über mich selbst lachen.
Mein Handy klingelte. Es war meine Freundin Anna. „Hallo – Anna, was gibt’s denn?“ begrüßte ich sie. „Hallo Nelly, ich wollte nur mal hören wie es Dir geht. Was machst Du so in deinem Urlaub zu Hause?“ fragte sie mich. „Ach, ich räkle mich hier auf einer Parkbank im Schlosspark und genieße das laue Lüftchen!“ erwiderte ich. „Gut dass Du anrufst, Du musst mir heute Abend unbedingt bei meiner Kleidung helfen. Ich hab da nämlich heute Morgen so einen Typen kennengelernt. Süß sag ich Dir!“ erzählte ich. „Na Du bist ja eine Aufreißerin, kaum hast Du Urlaub, schmeißt Du Dich gleich jemanden an den Hals, ha ha!“ lachte sie. „Wie ging das denn so schnell? Ich lerne nicht mal im Internet einen vernünftigen Mann kennen.“ hakte sie nach. „Naja, ob er vernünftig ist und ob sich was daraus entwickelt, wird sich erst noch zeigen, unsere Bekanntschaft hat nämlich schon etwas kompliziert begonnen!“ erklärte ich schnell, da ich wusste, wie lange und verbissen Anna schon einen Mann suchte. Sie war da viel ungeduldiger als ich und wollte auf keinen Fall allein bleiben. „Das musst Du mir aber erklären.“ sagte Anna verwundert. „Ich erzähl Dir alles heute Abend, hast Du um halb sieben Zeit?“ fragte ich sie. „Für Dich habe ich immer Zeit, wenn ich auch ein wenig neidisch bin, dass Du Dich mit einem Mann triffst“! sagte sie. „Ach wart’s ab, Du wirst Deinen Traummann schon noch finden, wie gesagt, ich habe noch gar keine großen Hoffnungen wegen dem Treffen, erklär ich Dir aber alles heute Abend. Bis um halb sieben oder?“. „Gut ich komme, dann kann Dir ja die Haare machen“ bot sie sich an, da sie gelernte Friseurin war. „Das wäre super – bis später dann!“ verabschiedete ich mich.
Ich klappte mein Handy zu und war nach dem Gespräch wieder total aufgekratzt. Langsam wurde mir bewusst, dass ich mir doch ein wenig mehr von dem bevorstehenden Abend versprach. Ich stellte mir wieder sein Lächeln vor und grinste innerlich vor Vorfreude.
„Schluss jetzt!“ ermahnte ich mich selbst. Du bist eine erwachsene Frau, reiss Dich mal zusammen, dachte ich für mich selbst.
Ich beschloss, da ich eh nicht mehr die Ruhe zum Lesen und Dösen hatte, langsam aufzubrechen und lieber noch im Café Kaktus im Park einen Kaffee zu trinken und hoffte, dort mehr Leute um mich zu haben, damit ich ein wenig abgelenkt war.
Ich suchte mir einen Platz, an dem ich den gesamten Gartenbereich überblicken konnte und bestellte mir einen Kaffee Latte. Es waren zwar nur wenig Leute da, aber ich war nicht ganz allein. Ein älteres Ehepaar unterhielt sich Händchen haltend an einem Nebentisch. Toll, dachte ich, die Liebe gibt es doch in jedem Alter. Man darf die Hoffnung nie aufgeben. Ach wie schön wäre es doch, auch endlich jemanden an der Seite zu haben und stellte mir vor, wie ich mit Benno Arm in Arm auf verschwiegenen Wegen im Schlosspark schlendere.
Im Café zu sitzen war somit auch nicht das Wahre, am besten machte ich mich auf den Heimweg. Also bezahlte ich meinen Kaffee und ging Richtung Ausgang.
Gemütlich und immer noch gedankenverloren radelte ich Richtung Rotkreuzplatz, dieses Mal fuhr ich am Nymphenburger Kanal und dann die Renatastraße entlang zurück, als plötzlich von links ein Auto aus einer Seitenstraße schoss und ich eine Vollbremsung machen musste.

Fortsetzung folgt…….
Ist Nelly etwas passiert? Sollte der Traum nun schon zu Ende sein? Wird es nichts aus der Verabredung? Nelly hatte doch nicht mal eine Telefonnummer von diesem Benno!

Wie es weitergeht, erfahren Sie beim nächsten Mal!

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Kapitel 2

27. Februar 2009 at 19:14 (Kapitel 2)

Seine Augen wurden plötzlich ganz sanft, als er mich so ansah, wie ich errötend an der Haustür stand. Anscheinend hatte er Mitleid mit mir. Das machte mich wiederum sehr wütend und ich erwiderte schnippisch: „Na, doch zu viel Zeit – die Arbeit lassen sie wohl nun schleifen?“.
„Sie haben was verloren!“ sagte er und grinste genüsslich. Er hatte mich durchschaut. Er wusste, dass ich nur eine Fassade auflegte. „Ach ja? Was sollte ich denn verloren haben?“. fragte ich ihn ungläubig, der wollte mich doch nur ärgern.
„Jetzt seien sie doch nicht so unwirsch – ich habe Ihnen doch gar nichts getan.“ entgegnete er und blickte wie ein Hündchen, der etwas vom Tisch geklaut hat.
„Doch!“ schnauzte ich zurück, „Sie haben mich in meiner Ruhe gestört und mir meine gute Laune verdorben mit Ihrer ungeduldigen Art!“ warf ich ihm an den Kopf. „Ihr Fahrradkuriere nervt mich sowieso immer auf den Fahrradwegen! Ohne Rücksicht auf Verluste rauscht Ihr an einem vorbei, wie die roten Radlerengel!“. Ich ließ so richtig meinen Unmut raus, den ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit aufstaute.
„Was kann ich denn dafür, wenn die Fahrradwege zu eng sind?“ schnauzte er mich jetzt auch an. „Dann fahren Sie halt nicht mit dem Rad, wenn Sie zu unsicher sind!“ Sein Ton wurde nun auch deutlich lauter. Jetzt hatte er mich ertappt. Ich war wirklich unsicher beim Radfahren. Bremste ich doch bei jeder Ausfahrt und bei jeder kleinsten Kreuzung ab, weil ich Angst hatte, dass ein Auto rausschießen könnte. Mein Herz rutschte jedes Mal in die Hosentasche, wenn tatsächlich ein Auto aus einer Seitenstraße kam. Nun war ich den Tränen nahe. Meine Augen fühlten sich schon ziemlich feucht an und ich brachte keinen Ton mehr heraus. Was schämte ich mich vor ihm. Aber eigentlich wollte ich ja gar nicht so garstig zu ihm sein. Er sah doch ganz nett aus, er gefiel mir.
Der Standbesitzer vom Gemüsestand am Eck an der Winthirstraße schaute schon amüsiert zu uns rüber. Wie peinlich war doch die ganze Situation.
Am liebsten wäre ich sofort in meine Wohnung raufgestürmt und hätte mich in meinem Schlafzimmer verkrochen.
Aber diese Genugtuung wollte ich dem Kerl nicht geben. Ich schluckte einmal ganz fest, atmete tief ein und sah ihn schon etwas freundlicher an. „Es tut mir leid, ich wollte sie nicht so anmaulen.“ sagte ich. „Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist!“ Doch, ich wusste es schon, das war jedes Mal so bei mir, wenn mir ein Mann gefiel. Sozusagen eine Schutzhaltung. Darum war ich ja auch immer noch single nach meiner letzten Beziehung.
„Ist schon gut!“ erwiderte er. „Ich wollte Ihnen doch nur bringen, was Sie verloren haben! Ich hab die Verkäuferin in der Bäckerei gefragt, ob sie wisse, wo sie wohnen. Leider wusste sie es nicht und da habe ich mir gedacht, dass sie bestimmt nicht weit weg wohnen und habe die Häuser nach Ihrem Namen abgesucht. Ich wollte schon bei Ihnen klingeln, als sie plötzlich aus dem Haus herauskamen.“ erklärte er und zeigte mir das Fundstück: Mein Ohrring. Ich griff mir unwillkürlich an mein Ohr und tatsächlich, ich hatte es verloren. Wenn ich nervös war, spielte ich immer mit meinen Ohrringen und so musste es mir rausgefallen sein.
Dass er sich meinen Namen gemerkt hatte, beeindruckte mich. Jetzt wollte ich am liebsten im Boden versinken. Er vernachlässigte extra seine Arbeit, um mir das Ohrring hinterherzutragen, obwohl ich so frech zu ihm war.
„Das ist aber wirklich lieb von Ihnen!“ stammelte ich. „Jetzt tut mir alles noch mehr leid!“ Schon wieder wurde ich rot.
„Ist schon o. K.“ sagte er und lächelte mich an, da er merkte, dass ich ziemlich geknickt war. „Jetzt stelle ich mich aber mal bei Ihnen vor, ich bin der Benno Regsam!“ sagte er und streckte mir seine Hand entgegen. „Nelly Weber“ erwiderte ich und nahm seine Hand. Bei der Berührung wurde es mir plötzlich heiß und ich merkte wie mir wieder das Blut in den Kopf schoss. Schnell zog ich meine Hand wieder zurück und sagte: „Also vielen Dank, dass Sie meinen Ohrring gefunden haben – wie kann ich das denn wieder gut machen? Da wäre ich wirklich sehr traurig gewesen, wenn der weg gewesen wäre, sind nämlich besondere Ohrringe!“. Er grinste mich verschmitzt an und meinte „Also ich wüsste da schon was – sie können mich gerne auf ein Getränk einladen heute Abend.“ Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen, dass er nach all den frechen Äußerungen auch noch daran denkt, mich wieder zu sehen.
Verlegen lächelnd sagte ich zu „Ja, warum eigentlich nicht? Wann und wo?“.
„Schlagen Sie doch etwas vor! Ich kenn mich in München noch nicht so gut aus“ erwiderte er. Langsam wurde er wieder ungeduldig und starrte auf seine Uhr. „Aber überlegen Sie schnell, ich muss nämlich noch einige Kurierfahrten erledigen“ fügte er noch hinzu. „Dann würde ich einfach sagen, wir gehen in meine Stammkneipe in der Volkartstraße – das Free & Easy, kennen sie das? schlug ich vor. „O. K. ist gebongt, ich kenn die Kneipe zwar nicht, aber wir können uns doch um 20.00 Uhr einfach am Rotkreuzplatz treffen, was halten Sie davon? entgegnete er leicht ungeduldig aber lächelnd. Er starrte wieder auf seine Uhr und das mit dem hin und her wippen fing wieder an. „Also abgemacht, um 20.00 Uhr am Rotkreuzplatz“ sagte ich. „Gut, ich werde da sein!“ versprach er und zwinkerte mir noch einmal zu, bevor er sich auf sein Rennrad schwang und davonsauste. Verwirrt starrte ich ihm hinterher. Was habe ich denn nun bloß wieder getan. Ich kenne diesen Typen doch gar nicht. Nun bereute ich ein wenig, dass ich so schnell zugesagt hatte. Der soll sich nur nichts darauf einbilden, dachte ich. Aber andererseits gefiel er mir schon sehr, sonst würde ich ja nicht so emotional auf ihn reagieren, überlegte ich weiter. Ein wohliger Schauer lief mir über den Rücken als ich an die bevorstehende Verabredung dachte.

Fortsetzung folgt…..
Wie wird Nelly wohl den Nachmittag überstehen? Kann Sie den geplanten Ausflug in den Nymphenburger Schlosspark überhaupt noch genießen? Wissen wir doch alle, was so eine Verabredung bedeutet! Schon allein die Kleiderfrage!

Das alles erfahren Sie beim nächsten Mal.

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Wie finden Sie den Neuhausen-Roman?

21. Februar 2009 at 22:19 (Umfrage)

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Kapitel 1

21. Februar 2009 at 20:57 (Kapitel 1)

An einem schönen September-Morgen wachte ich sehr früh auf, da wieder mal die Straßenreinigung zu hören war. Ich musste über Nacht das Fenster gekippt lassen, in meiner Wohnung wird es nämlich selbst im September ziemlich warm. Ich wohne in einem schönen Altbau-Haus, das bei der Renovierung leider schlecht isoliert wurde und in mein Wohnzimmer scheint die Sonne direkt in zwei große Fenster hinein. Das ist ja auch wunderschön. Ich mag helle Zimmer, aber Sie glauben nicht, was das im Sommer für eine Qual ist. Zum Glück ist mein Schlafzimmer Richtung Norden ausgerichtet. Ach so: Ich darf mich Ihnen kurz vorstellen: mein Name ist Nelly Weber, ich bin 30 Jahre alt, momentan single und wohne seit meiner Geburt im Stadtteil Neuhausen in München.
Ich bin hier sozusagen aufgewachsen und ich fühle mich immer noch wohl in diesem schönen Stadtteil. Er liegt sehr zentral mitten in München und man kann somit jegliches Ziel ganz einfach und schnell ob mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Es gibt hier viele Grünanlagen und wunderschöne Hausfassaden bzw. viele Altbau-Häuser. Ich muss nämlich zugeben, ich mag die modernen Gebäude nicht besonders, bin eine unverbesserliche Romantikerin. Wenn ich Türmchen, Fassadenfiguren oder Malereien an Fassaden entdecke, dann schlägt mein Herz höher.
Naja, nun mal zurück zu dem schönen September-Morgen. Ich wachte also durch Straßenlärm frühzeitig auf, obwohl ich Urlaub hatte. Ein bisschen ärgerte ich mich darüber aber andererseits war es gut, dass ich nicht den schönen Sonnentag verschlafen würde. Dieses Jahr hatte ich keinen Urlaub gebucht. Sonst geht es nämlich immer in den sonnigen Süden. Aber da es Anfang des Jahres einige Nachzahlungsüberraschungen gab, verzichtete ich darauf.
Darum freute ich mich, dass das Wetter in München ausnahmsweise auch nicht
so schlecht zu sein schien.
Und schon meldete sich auch noch mein knurrender Magen. „Im Urlaub gönne ich mir dann doch mal was vom Bäcker“, dachte ich. Und da war sie wieder die Qual der Wahl, gibt es doch zahlreiche Bäckereien am Rotkreuzplatz.
Jeder will ein Geschäft machen. Also rein in die Wäsche und ab zum Bäcker.
Der Einfachheit halber beschloss ich, doch einfach nur zum Bäcker gegenüber zu gehen, zu dem ich  immer ging, um ein paar Brezen zu holen. Was wäre ein gemütlicher Morgen ohne Breze?
„Hallo – guten Morgen“ begrüßte ich die nette Verkäuferin. „Guten Morgen Frau Weber, was darf’s denn sein?“. „Ich hätt gerne 2 Brezen, mmhh und so eine Nuss-Schnecke bitte“ entschied ich spontan, hatte ja schließlich Urlaub.
Plötzlich kam ein Fahrradkurier reingestürmt und starrte mich ungeduldig an.
Ich dachte mir: „Du kommst mir grad recht, bei so einem schönen Morgen, lass ich mich nicht aus der Ruhe bringen!“. Ich grinste ihn an und fing mit der Verkäuferin ein lockeres Gespräch an. „Und wie geht’s denn Ihren Kindern Frau Vogel?“ „Danke, sehr gut, der Kleinere hat wieder ein Spitzen-Zeugnis mitgebracht.“ erzählte sie.
„Ach das freut mich, das wird bestimmt mal ein Einstein werden“ erwiderte ich.
„Ja wir sind auch sehr stolz auf den Kleinen!“ erwähnte sie ein bisschen errötend. Der Fahrradkurier wurde immer ungeduldiger und wippte von einem Bein aufs andere. Ich schaute ihn etwas provozierend an und fragte ihn „pressierts Ihnen vielleicht? Das tut mir aber leid, wissen Sie, ich habe zur Zeit Urlaub, da habe ich es nicht so eilig!“ Wütend starrte er mich an und überlegte krampfhaft, was er mir an den Kopf werfen könnte. Süß sah er aus, dunkelblondes Haar, braune Augen, durchtrainiert, wenn er nur nicht diese schreckliche Radlerhose anhätte. So was fand ich bei Männern absolut unerotisch.
Irgendwie merkte er, dass ich ihn von oben bis unten musterte und er fing an, dämlich zu grinsen. Prompt wurde ich knallrot und meine Schlagfertigkeit war wie weggeblasen. Wütend auf mich selbst sagte ich: „Äh, was bekommen Sie denn von mir Frau Vogel?“. „Das macht 2,60 Euro Frau Weber!“. Ich beeilte mich, dass Geld rauszusuchen und gab es der Verkäuferin.
„Also noch einen schönen Tag!“ sagte ich und stürmte Richtung Ladentür.
„Ach und ich dachte, ich müsste mich hier häuslich niederlassen“ rief der Kurier mir nach und lachte hämisch.

Was war ich denn für eine blöde Kuh? Wusste ich doch, dass ich in brenzligen Situationen nie die Ruhe bewahrte. Frech sein war halt einfach nicht mein Ding. Ich sollte es in Zukunft doch besser lassen.
Etwas bedrückt, ging ich in meine Wohnung und setzte mir einen Kaffee auf. Ich hatte immer noch so eine alte Filtermaschine und es dauerte meines Erachtens an diesem Morgen ewig, bis der Kaffee durchgelaufen war. Neidvoll dachte ich an den Kaffeevollautomaten, der bei meiner Freundin zu Hause stand. Naja, Hauptsache Kaffee, dachte ich, als er endlich fertig war und ließ mir mein Frühstück schmecken.
Nach dem Genuss meines Frühstücks, war ich dann schon wieder ausgeglichener.
„So“, dachte ich, „was stelle ich nun mit dem wunderschönen Tag an? Vielleicht
in den Park vom Schloss Nymphenburg?! Das war nämlich einer meiner Lieblingsparks und gar nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Genau, gute Idee“, dachte ich, „das ist genau das richtige, mich auf einer Parkbank mit einem guten Buch im Halbschatten räkeln“.
Ich packte mir eine kleine Brotzeit ein, holte mein Fahrrad aus dem Keller und wollte gerade aus der Haustür raus, als ich erstarrte. Da stand er! Der Kurier von vorhin.
Mir verschlug es die Sprache, der Atem stockte und es wurde mir auf einmal heiss und dann wieder kalt.

Fortsetzung folgt…..
Wie wird es denn weiter gehen mit unserer Nelly Weber? Wird sie trotzdem noch einen angenehmen Tag im Nymphenburger Schlosspark verbringen? Was will der Kurier von ihr? Dies alles erfahren Sie beim nächsten Mal.

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