Kapitel 1
An einem schönen September-Morgen wachte ich sehr früh auf, da wieder mal die Straßenreinigung zu hören war. Ich musste über Nacht das Fenster gekippt lassen, in meiner Wohnung wird es nämlich selbst im September ziemlich warm. Ich wohne in einem schönen Altbau-Haus, das bei der Renovierung leider schlecht isoliert wurde und in mein Wohnzimmer scheint die Sonne direkt in zwei große Fenster hinein. Das ist ja auch wunderschön. Ich mag helle Zimmer, aber Sie glauben nicht, was das im Sommer für eine Qual ist. Zum Glück ist mein Schlafzimmer Richtung Norden ausgerichtet. Ach so: Ich darf mich Ihnen kurz vorstellen: mein Name ist Nelly Weber, ich bin 30 Jahre alt, momentan single und wohne seit meiner Geburt im Stadtteil Neuhausen in München.
Ich bin hier sozusagen aufgewachsen und ich fühle mich immer noch wohl in diesem schönen Stadtteil. Er liegt sehr zentral mitten in München und man kann somit jegliches Ziel ganz einfach und schnell ob mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Es gibt hier viele Grünanlagen und wunderschöne Hausfassaden bzw. viele Altbau-Häuser. Ich muss nämlich zugeben, ich mag die modernen Gebäude nicht besonders, bin eine unverbesserliche Romantikerin. Wenn ich Türmchen, Fassadenfiguren oder Malereien an Fassaden entdecke, dann schlägt mein Herz höher.
Naja, nun mal zurück zu dem schönen September-Morgen. Ich wachte also durch Straßenlärm frühzeitig auf, obwohl ich Urlaub hatte. Ein bisschen ärgerte ich mich darüber aber andererseits war es gut, dass ich nicht den schönen Sonnentag verschlafen würde. Dieses Jahr hatte ich keinen Urlaub gebucht. Sonst geht es nämlich immer in den sonnigen Süden. Aber da es Anfang des Jahres einige Nachzahlungsüberraschungen gab, verzichtete ich darauf.
Darum freute ich mich, dass das Wetter in München ausnahmsweise auch nicht
so schlecht zu sein schien.
Und schon meldete sich auch noch mein knurrender Magen. „Im Urlaub gönne ich mir dann doch mal was vom Bäcker“, dachte ich. Und da war sie wieder die Qual der Wahl, gibt es doch zahlreiche Bäckereien am Rotkreuzplatz.
Jeder will ein Geschäft machen. Also rein in die Wäsche und ab zum Bäcker.
Der Einfachheit halber beschloss ich, doch einfach nur zum Bäcker gegenüber zu gehen, zu dem ich immer ging, um ein paar Brezen zu holen. Was wäre ein gemütlicher Morgen ohne Breze?
„Hallo – guten Morgen“ begrüßte ich die nette Verkäuferin. „Guten Morgen Frau Weber, was darf’s denn sein?“. „Ich hätt gerne 2 Brezen, mmhh und so eine Nuss-Schnecke bitte“ entschied ich spontan, hatte ja schließlich Urlaub.
Plötzlich kam ein Fahrradkurier reingestürmt und starrte mich ungeduldig an.
Ich dachte mir: „Du kommst mir grad recht, bei so einem schönen Morgen, lass ich mich nicht aus der Ruhe bringen!“. Ich grinste ihn an und fing mit der Verkäuferin ein lockeres Gespräch an. „Und wie geht’s denn Ihren Kindern Frau Vogel?“ „Danke, sehr gut, der Kleinere hat wieder ein Spitzen-Zeugnis mitgebracht.“ erzählte sie.
„Ach das freut mich, das wird bestimmt mal ein Einstein werden“ erwiderte ich.
„Ja wir sind auch sehr stolz auf den Kleinen!“ erwähnte sie ein bisschen errötend. Der Fahrradkurier wurde immer ungeduldiger und wippte von einem Bein aufs andere. Ich schaute ihn etwas provozierend an und fragte ihn „pressierts Ihnen vielleicht? Das tut mir aber leid, wissen Sie, ich habe zur Zeit Urlaub, da habe ich es nicht so eilig!“ Wütend starrte er mich an und überlegte krampfhaft, was er mir an den Kopf werfen könnte. Süß sah er aus, dunkelblondes Haar, braune Augen, durchtrainiert, wenn er nur nicht diese schreckliche Radlerhose anhätte. So was fand ich bei Männern absolut unerotisch.
Irgendwie merkte er, dass ich ihn von oben bis unten musterte und er fing an, dämlich zu grinsen. Prompt wurde ich knallrot und meine Schlagfertigkeit war wie weggeblasen. Wütend auf mich selbst sagte ich: „Äh, was bekommen Sie denn von mir Frau Vogel?“. „Das macht 2,60 Euro Frau Weber!“. Ich beeilte mich, dass Geld rauszusuchen und gab es der Verkäuferin.
„Also noch einen schönen Tag!“ sagte ich und stürmte Richtung Ladentür.
„Ach und ich dachte, ich müsste mich hier häuslich niederlassen“ rief der Kurier mir nach und lachte hämisch.
Was war ich denn für eine blöde Kuh? Wusste ich doch, dass ich in brenzligen Situationen nie die Ruhe bewahrte. Frech sein war halt einfach nicht mein Ding. Ich sollte es in Zukunft doch besser lassen.
Etwas bedrückt, ging ich in meine Wohnung und setzte mir einen Kaffee auf. Ich hatte immer noch so eine alte Filtermaschine und es dauerte meines Erachtens an diesem Morgen ewig, bis der Kaffee durchgelaufen war. Neidvoll dachte ich an den Kaffeevollautomaten, der bei meiner Freundin zu Hause stand. Naja, Hauptsache Kaffee, dachte ich, als er endlich fertig war und ließ mir mein Frühstück schmecken.
Nach dem Genuss meines Frühstücks, war ich dann schon wieder ausgeglichener.
“So”, dachte ich, “was stelle ich nun mit dem wunderschönen Tag an? Vielleicht
in den Park vom Schloss Nymphenburg?! Das war nämlich einer meiner Lieblingsparks und gar nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Genau, gute Idee”, dachte ich, “das ist genau das richtige, mich auf einer Parkbank mit einem guten Buch im Halbschatten räkeln”.
Ich packte mir eine kleine Brotzeit ein, holte mein Fahrrad aus dem Keller und wollte gerade aus der Haustür raus, als ich erstarrte. Da stand er! Der Kurier von vorhin.
Mir verschlug es die Sprache, der Atem stockte und es wurde mir auf einmal heiss und dann wieder kalt.
Fortsetzung folgt…..
Wie wird es denn weiter gehen mit unserer Nelly Weber? Wird sie trotzdem noch einen angenehmen Tag im Nymphenburger Schlosspark verbringen? Was will der Kurier von ihr? Dies alles erfahren Sie beim nächsten Mal.