Kapitel 4

19. April 2009 at 11:27 (Kapitel 4, Uncategorized)

Gerade noch kam ich vor dem Auto zum Stehen. Mein Fahrrad kippte um und knallte mit dem Vorderrad an das Auto und ich fing mich mit meinem rechten Fuß ab. Ein Schmerz schoss mir in den Knöchel.
„Mist verdammter“! rief ich und blieb erstmal am Boden sitzen. „Ist Ihnen was passiert?“ fragte der aufgebrachte Autofahrer mich als er ausstieg und auf mich zueilte, um mir aufzuhelfen. „Ich hatte doch Vorfahrt mein Lieber!“ warf ich ihm an den Kopf und ich dachte an den Spruch des Kurierfahrers Benno von heute Morgen, ich solle doch besser nicht Fahrrad fahren, wenn ich zu ängstlich bin. Beinahe wäre ich von dem Auto durch die Luft geschleudert worden, wenn ich nicht gerade rechtzeitig gebremst hätte. Ich stützte mich auf seinem Arm ab und versuchte aufzustehen und wieder schoss mir ein Schmerz in den Knöchel. „Autsch!“ rief ich, konnte aber noch einigermaßen auftreten, es war anscheinend zum Glück nichts gebrochen. „Oje, tut es sehr weh? Das tut mir wirklich sehr leid – ich hab sie leider nicht kommen sehen!“ sagte er betroffen und sein Atem ging vor Aufregung ziemlich schnell. Nun sah ich meinen Unfallverursacher erstmal genau ins Gesicht. Er hatte freundliche Züge, dunkle Haare, grüne Augen, etwas rundlich, was aber zu ihm passte und war anscheinend im besten Alter, so um die 40 schätzte ich. Eigentlich sah er ziemlich sympathisch aus. „Ja, ja, sie sind wohl nicht stehengeblieben um zu schauen, ob jemand kommt! Das kenne ich schon. Radlfahrer sind meistens Luft für Euch Autofahrer!“ entgegnete ich eigentlich ziemlich ruhig, rieb mir aber meinen schmerzenden Knöchel. Komisch dachte ich, heute Morgen habe ich mich wegen „Nichts“ total daneben benommen und in so einer Situation, ich hätte eigentlich tot sein können, blieb ich völlig gelassen. Ich legte es so aus, dass Benno wohl total mein Typ war und ich deswegen meine guten Manieren vergessen hatte. So war es meistens, wenn mir jemand gefiel, dachte ich zumindest.
„Ich bringe Sie auf alle Fälle nach Hause! Sie können ja gar nicht mehr auftreten.“ bot er an und blickte traurig in mein Gesicht. „Ist zum Glück nicht mehr passiert!“ beruhigte ich ihn, hob noch meine Tasche auf und ließ mich bereitwillig und humpelnd Richtung Auto führen. Der Knöchel schmerzte schon ziemlich und plötzlich fiel mir wieder meine Verabredung mit Benno ein und ich fluchte innerlich auf. Das wird wohl ein sehr schönes Bild abgeben, wenn ich humpelnd bei meiner nach Monaten wieder ersten Verabredung ankam.
„Halt! Sie müssen bitte noch mein Fahrrad aufheben und am Straßenrand absperren! Ich werde es dann irgendwann mal holen.“ bat ich ihn. Er half mir ins Auto und hob mein Fahrrad auf und sperrte es ab. Das Vorderrad war etwas verbogen. Mit zitternder Stimme fragte er mich: „Wo wohnen Sie denn? Natürlich werde ich das Fahrrad für Sie holen, leider kann ich es in meinem kleinen Kofferraum nicht gleich mitnehmen. Das ganze tut mir wirklich sehr sehr leid, so was ist mir noch nie passiert! Ich werde den Unfall natürlich meiner Versicherung melden, da brauchen sie sich keine Sorgen machen!“ redete er nervös auf mich ein. „Ich mach mir momentan wegen was ganz anderem Sorgen“ murmelte ich leise. „Wie bitte?“ fragte er. „Ach nichts, vergessen sie es!“ erwiderte ich.
Verwirrt blickte er mich an und wieder empfand ich Sympathie für ihn, als er mich so besorgt und lieb anblickte, aber eigentlich nicht mehr. „Vor lauter Aufregung, habe ich mich noch gar nicht vorgestellt: mein Name ist Dimitrios Rouvas.“ stellte er sich vor und schüttelte meine Hand. „Freut mich sehr, wenn wir uns auch nicht zu einem schöneren Anlass kennengelernt haben, mein Name ist Nelly Weber!“ sagte ich freundlich und lächelte ihn versöhnend an. Er musterte mich eindringlich mit seinen grünen Augen und fragte noch mal: „Also wo wohnen Sie denn?“. „Das ist gar nicht schwer zu finden, ich wohne nämlich direkt am Rotkreuzplatz!“ erklärte ich. Er fuhr los und ich merkte, dass seine Hände etwas zitterten. „Dass mir so etwas passiert, ich bin so froh, dass Ihnen nicht mehr zugestoßen ist, das hätte ich mir nie verziehen!“ versuchte er mir klarzumachen.
„Sind Sie eigentlich Grieche?“ lenkte ich ihn ab. „Sie haben doch einen griechischen Namen, wenn ich mich nicht täusche?“ fragte ich ihn. „Ja, ich komme aus Griechenland, wie haben Sie das den erraten?“ erwiderte er überrascht. „Naja, so schwer ist das gar nicht, wenn man schon ein paar mal in Griechenland war!“ entgegnete ich. Er blickte mit noch mehr Interesse zu mir rüber, sagte aber nichts, lächelte nur, weil er sich auf den Verkehr konzentrierte. „Dieses Jahr musste ich leider zu Hause bleiben, das liebe Geld!“ erzählte ich. „Gefällt Ihnen mein Land?“ fragte er mich. „Wo waren Sie denn schon überall?“ fragte er weiter.
„Ich war schon auf einigen Inseln – ist eine schöner als die andere finde ich!“ erzählte ich weiter. Unser Gespräch war aber schon bald zu Ende, da wir am Rotkreuzplatz ankamen. Er fand sogar einen Parkplatz in einer kleinen Seiten-Straße.
„Ich helfe Ihnen noch zu Ihrer Wohnung!“ sagte er und half mir aus dem Auto. Langsam humpelte ich auf seinen Arm gestützt Richtung meines Wohnhauses.
Irgendwie hatte er ein angenehmes Parfum, dachte ich und schnupperte genüsslich. Schade, dass es in seiner Gegenwart nicht funkte. Ich fand ihn eigentlich ganz nett, schlecht aussehen tat er auch nicht, aber irgendwie bekam ich keine Schmetterlinge im Bauch in seiner Gegenwart. Es wäre doch viel einfacher, sich mit so einem Mann zu verabreden, bei dem man nicht so nervös wird. „Musst Du eigentlich in Gegenwart eines Mannes jedes Mal darüber nachdenken, ob er was für Dich wäre?“ ermahnte ich mich still. Vor meinem Wohnhaus angekommen, stoppten wir. „Hier wohne ich!“ sagte ich. „Sie brauchen mir nicht raufhelfen, ich werde mich am Treppengeländer bis zum Aufzug selbst raufhelfen. “ versicherte ich. Immer noch besorgt blickend holte er eine Visitenkarte aus seiner Brieftasche. „Ich gebe ihn mal meine Karte mit meiner Telefonnummer. Rufen Sie mich an, damit wir alles klären können wegen der Versicherung und es wäre ein Trost für mich, zu hören, wie es Ihrem Fuß geht.“ sagte er. „Ist in Ordnung. Ich werde mich bei Ihnen melden.“ versprach ich und sperrte die Haustür auf und winkte ihm noch mal zu. Bedrückt ging er davon Richtung seines Autos.
Ich humpelte zum Aufzug und fuhr zu meiner Wohnung rauf. In der Wohnung angekommen, machte ich mir als erstes einen kalten Umschlag mit Eiswürfeln und lagerte meinen Fuß auf einem Stuhl hoch.
Ich geriet plötzlich innerlich in Panik und dachte an meine Verabredung. Was mache ich nur? Die Humpel-Nelly begibt sich zu einer Verabredung mit einem gutaussehenden Mann, bei dessen Anblick die Ameisen im Körper auf und ab liefen und erhofft sich, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wenn Benno hört, was ihr zugestoßen ist, fühlt er sich sowieso nur bestätigt mit seiner Meinung. Ich sah auf die Uhr. 16.00 Uhr war es. Noch ist es nicht zu spät, dachte ich, vielleicht beruhigt sich der Knöchel ja doch noch ein wenig.
Aufgebracht griff ich zum Telefon um meine Freundin Anna anzurufen, damit sie evtl. früher kommt. Ich brauchte jetzt zumindest eine seelische und moralische Unterstützung.

Fortsetzung folgt……

So ein Pech aber auch. Jetzt hat Nelly nach Monaten endlich wieder eine Verabredung mit einem Mann, der ihr gefiel und dann so etwas. Wird die Schwellung vielleicht doch zurückgehen und wird Nellys Auftritt vor Benno dann doch nicht so übel werden?

All dies erfahren Sie beim nächsten Mal!

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